So wechselhaft wie die Geschichte der Insel Kreta, so ist auch die des Frourion Kazarma, des Kastells oberhalb der Stadt Sitia. Der heute sichtbarer Teil stammt größtenteils aus venezianischer Zeit, wie auch der Name, der sich von „Casa di Arma“ – Wachposten – ableitet. Tatsächlich wurde die kleine Festung als Teil der Stadtbefestigung schon von Byzanz erbaut, als Sitia ein wichtiger Stützpunkt war. Ein Ort, den ich mir nicht entgehen lassen konnte. Und ein Präzedenzfall dafür, das Haken auch dann kollektiv gemacht werden dürfen, wenn nur ein Reiseteilnehmer der Gruppe das Objekt besichtigt. In dem Fall also ich.

Nur leicht angeschlagen vom letzten Abend checkten wir aus unserem „zweckmäßigen und budgetfreundlichen“ Quartier aus. Allerdings kehrten wir Sitia noch nicht sofort den Rücken. Durch das Einbahnstraßengewirr mäanderten wir und bis zur kleinen Festung hinauf, die wir gestern noch hell erleuchtet vom Hafen aus gesehen haben. Ratri und Martin wollten lieber etwas spazieren gehen, weshalb ich das Wenige, was es zu sehen gab, alleine besichtigte.

Viel zu sehen gab es tatsächlich nicht. Es stehen noch die Festungsmauern und zwei Nebengebäude, vom Donjon sind nur noch die Außenmauern erhalten. Das Kastell wurde vor einigen Jahren restauriert und dient heute kulturellen Veranstaltungen wie etwa dem Kornaria-Festival. Ob der Eintrittspreis von vier Euro gerechtfertigt ist, mag jeder für sich selbst entscheiden.

Im Mittelalter war das Kastell ein Teil der Stadtbefestigung mit Kommandoposten und Platz für die Garnison. Eine eigenständige Festung im Sinne einer Burg war es nie. Die Stadtmauer umfasste die ganze damalige Stadt und den alten Hafen und reichte ungefähr bis zur heutigen Taverne Zorbas. Mit dem Niedergang von Byzanz ging Sitia kurzzeitig an Genua. Der Genuese Henry Pescatore war der erste, der 1204 die Mauern wieder instand setzte.

Erdbeben und Belagerungen beschädigten die Mauern immer wieder. Größere Festungsarbeiten durch die Venezianer sind aus den Jahren 1303, 1450 und insbesondere 1538 – nach dem Angriff Barbarossas – belegt. Die Mauern waren schließlich so stark beschädigt, dass die venezianischen Gouverneure Sforza Paravitsini und Julius Savorgan erwogen sie nicht mehr zu erneuern, sondern zu schleifen.

Das zwang die Bewohner der Stadt im Jahr 1586 selbst 1.500 Dukaten zum Festungsbau beizusteuern. Allerdings reichte das nicht um die Mauern vollständig zu erneuern. Insbesondere die Seeseite konnte nicht ausreichend gesichert werden. Aber der Abbruch der Mauer war vorerst abgewendet.

Anfang des 17. Jahrhunderts investierte Venedig noch einmal in die Stadtbefestigung. 1626 waren die Mauern beinahe wieder vollständig. Gerade rechtzeitig um zahlreiche Angriffe der Osmanen abzuwenden. Bis 1651 leistete die Garnison erbitterten Widerstand, musste dann aber aufgeben werden. Die Bewohner Sitias waren da längst geflohen. Die Garnison zog allerdings erst ab, nachdem sie so viel von der Stadtmauer zerstörten, wie sie konnten.

Während der türkischen Besatzung wurde nur das Kastell wieder als Wachposten ausgebaut und die mit Kuppeln gekrönten Wachtürmchen angefügt. Die Festung hat zwei Etagen, mit internen Treppen, die zu den Fußböden und den Zinnen führen. Die Stadtmauer wurde allerdings nicht wieder errichtet. Da nicht viel zu sehen war, war ich schnell mit der Besichtigung durch und konnte mich wieder meinen Freunden anschließen.

Wir warfen von hier oben noch einen letzten Blick auf Sitia und den Hafen und machten uns dann auf den Weg zum Kloster Toplou. Genauer gesagt einen vermeintlichen letzten Blick, denn nur wenige Stunden später sollten wir ungewollt wieder in Sitia sein. Doch davon später mehr.

Quellen: cretanbeaches.com, boarding-time.de, Aushang in der Festung.
Danke Tom
Deine Zeilen nehmen mich mit nach Kreta
Lg Meggie
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Immer wieder gerne 😘
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Vielen Dank, Tom. Ein sehr interessanter Bericht, so habe ich einiges gelernt.
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Wie immer sehr gerne 😘
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Wonderful, well done, I wish you success and happiness
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Same to you, my friend!
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🙏🏼🌹👋🏻😍Welcome
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