Ostern 2024: Goldene Bar

Ein Ort, den ich schon lange einmal besuchen wollte ist die Golde Bar im Haus der Kunst – nicht unumstritten, wurden die Räume doch wieder in den Zustand von 1937 versetzt, in dem Zustand, den es zur Eröffnung des Hauses der Deutschen Kunst als steingewordenes Monument der nationalsozialistischen Kulturpropaganda gehabt hat. „Mauern tragen keine Schuld“, soll Christoph Vitali, der ehemalige Direktor des Hauses der Kunst, gesagt haben.

Die Wandmalereien in der Goldenen Bar, von Karl Heinz Dallinger mit Pinsel auf Blattgold aufgetragen, zeigen Landkarten von Kuba, Jamaica, Haiti, Italien und Dalmatien, Südtirol, der Champagne, Bourdeaux, Portugal, Spanien, England, Irland, Ungarn und Deutschland. Figürliche Darstellungen zeigen zum Beispiel Tabakhändler und Kanu-Transport von Zuckerrohr, Degorgieren von Champagner, eine Whiskydestillerie und Whiskyhändler, Reblese mit Bacchus, Keltern, Fasslagerung. Auf einem der Wandbilder hat der Künstler seine Signatur hinterlassen: „K.H. Dallinger 1937“. Jener Professor Karl-Heinz Dallinger, erzählt Anton Köttl, der technische Direktor des Museums, hatte seinerzeit den Wettbewerb um die Gestaltung der Weinstube gewonnen und zudem getönt, Hitler selbst habe sich um die Sache gekümmert.

Wer hier martialische germanische Recken sucht, der sucht vergebens. Und doch wird auch hier der Geist jener unseligen Zeit konserviert. Planer war der Architekt Paul Ludwig Troost, der auch das „Braune Haus“ gestaltete. Und ganz so unschuldig verhält es sich mit dem goldenen Dekor nicht: In ihrer Gesamtheit ergeben diese Wandmalereien eine bebilderte Getränkekarte, die über Herkunft von Rum, Zigarren, Tabak, Champagner, Whisky und Wein Auskunft gibt. Diese Dekoration suggerierte Weltläufigkeit. Der rassistische Kern des nationalsozialistischen Kulturprogramms wurde auf diese Weise elegant verkleidet.

Dennoch war die Restauration richtig. Hatte man die Nazi-Vergangenheit doch nicht nur bei Menschen verdrängt, sondern auch bei Gebäuden. Die Auseinandersetzung damit ist hingegen der (auf-)richtigere Umgang mit der Geschichte. Es bleibt ein gefährlich gefälliger Raum, ein tolles, festliches Café und eine besuchenswerte Bar. Nur muss man eben auch deren Geschichte im Blick behalten. Der Kaffee jedenfalls war gut, wenn auch nicht ganz billig, aber was sollte man in einer „Goldenen Bar“ auch anderes erwarten?

Goldene Bar im Haus der Kuns, Prinzregentenstraße 1, München; Öffnungszeiten: Montag 12:00 – 20:00 Uhr, Dienstag geschlossen, Mittwoch, Donnerstag 12:00 – 00:00 Uhr, Freitag, Samstag 12:00 – 02:00 Uhr, Sonntag 13:00 – 20:00 Uhr. Quellen: Webseite der Goldenen Bar, Süddeutsche Zeitung.

13 Gedanken zu “Ostern 2024: Goldene Bar

  1. Ist schon eine Weile her, dass ich diese Bar besucht habe. Erinnere mich hauptsächlich daran, dass ich Speisen und Getränke total überteuert fand und nicht soo besonders. Der Raum wirkt edel aber ungemütlich.

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  2. Hm… Ob eine Bar wirklich ein geeigneter Ort ist, sich mit unserer grausigen Vergangenheit auseinander zu setzen? Ich denke, dass das bei den meisten Gästen nicht so ankommen wird wie vielleicht gedacht. Für die wird das lediglich ein golden schimmerndes schönes Ambiente sein, mehr nicht…

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  3. Hm, ich würde sie besuchen. Mauern tragen tatsächlich keine Schuld und solche Orte sind mit einer gewissen Distanz zu betrachten. Es ist keine Lösung, alles, was uns historisch unangenehm aufstößt, aus dem öffentlichen Raum zu verbannen, so als wäre es nie dagewesen. Persönlich finde ich es spannend, da für mich die Karten zeigen, wie weit sich die damaligen, imperialistischen Ambitionen erstreckten. Gibt es beim Besuch der Bar irgendwo Hinweise auf ihre Geschichte oder muss man sich selbständig vorab informieren?

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