Athener Kaffee-Tagebuch: Plaka – Anefani – Anafiotika

Plaka ist ein Dorf für sich. Erst richteten sich die Handwerker hier ein, dann folgten ihnen wohlhabendere Bürger und errichtete ihre klassizistischen Villen. Trotzdem kaum zu glauben, dass man hier im Zentrum einer pulsierenden Metropole sein soll und nicht in einem beschaulichen Bergdorf, ein Eindruck, der durch die zahlreichen Treppen noch verstärkt wird. Die Treppen schränken den Straßenverkehr extrem ein. Vielleicht erklärt sich dadurch die wohltuende Ruhe, ja Stille. Bis auf die belebten Cafés und Tavernen natürlich.

Von denen gibt es hier viele. Am Abend gibt es keinen besseren Ort in Athen für ein typisch griechisches Dinner als die Plaka. Besonders an der Mnisikleous-Straße reiht sich eine Taverne an die andere. Ob Klassiker wie Moussaka oder frischer Fisch – hier kann nach Herzenslust geschlemmt werden – selbstverständlich zu den romantischen Klängen der Sirtaki. In einigen Tavernen kann man von der Terrasse sogar einen spektakulären Blick auf die angeleuchtete Akropolis genießen.

Dieses Viertel versprüht einen ganz besonderen Charme und ist bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen beliebt. In den engen Gassen der Plaka befinden sich zahlreiche Cafés, Boutiquen und Souvenir-Shops; viele Straßenmusiker und Maler bieten hier ihre Künste feil. Da Autos hier tabu sind, kann man in aller Ruhe bummeln – sollte dies jedoch zeitig am Tag tun, denn spätestens ab dem frühen Nachmittag ist die Plaka oft recht überfüllt. Und vorbei ist es mit der Ruhe…

Ich suche und finde das Kafenion Anefani in der Mnisikleous 24 unweit der Römischen Agora. Der Name erzählt eine Geschichte, die eng mit der Entstehung dieses Viertels verbunden ist. Während ihres Feldzugs baten die Argonauten in schwerer See den Gott Apollo um Hilfe, der einen hellen Pfeil abfeuerte, der sich, als er auf dem Wasser aufschlug, in eine Insel verwandelte auf der sie Zuflucht fanden. Die Insel wurde Anafi genannt und deren Bewohner Anafioten oder schlicht Anefani.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts ließen sich die Anafioten als bekannte Baumeister, die zum Bau von König Ottos I. Palästen nach Athen kamen, am Fuße der Akropolis nieder und bauten oberhalb der Plaka das Viertel Anafiotika. Dass sie ihre Häuser, obwohl auf archäologisch bedeutsamen Grund errichtet, behalten durften verdanken sie einem Gesetz, dass ein illegal errichtetes Haus nicht abgerissen werden durfte, wenn es am ersten Tag bereits ein Dach bekam – ein Kinderspiel für die geübten Bauleute!

Tatsächlich wird bis heute immer wieder über einen Abriss des illegal errichteten Viertels diskutiert. Hier fehlt die schützende Hand Ottos I., der einen drohenden Abriss in der Mitte des 19. Jahrhunderts abwendete. Vielleicht wäre es auch bei den neuen Untertanen schlecht angekommen, wenn der neue König den eigens herbeigerufenen Bauleuten die Behausungen abreißt. Immerhin linderten die Anafioten so kurzerhand auch die Wohnungsnot unter den nicht allzu üppig entlohnten Handwerkern. Aus heutiger Sicht wäre ein Abriss eher ein Verlust, denn kein Winkel Athens ist romantischer.

Hier schlängel ich mich durch schmale Gassen und Gässchen, manche erinnern mich an das Labyrinth rund um das Johanneskloster in Chora auf der Insel Patmos, wäre da nicht der stete Blick auf den Festungsberg und die Akropolis, die auf das kleine Handwerkerviertel herabsieht. Schilder erinnern die Touristen daran bitte die Grundstücksgrenzen zu respektieren, was manchmal schwierig ist, da man auch auf den „legalen“ Wegen praktisch fast durch die Wohnzimmer der Anwohner marschiert. Die Tour wird ohnehin immer schwieriger, da zwischen den engen Mauern kaum Platz ist um den Touristengruppen auszuweichen.

Trotzdem lässt sich hier noch der eine oder andere verschwiegene Winkel entdecken. So wie ein Haus mit einem ausgeblichenen Plakat der staatlichen Tourismusbehörde, die das anpreist, was dem Viertel als einziges fehlt um die Kykladenstimmung perfekt zu machen, nämlich Strände. Denn statt auf die See blickt man von hier auf ein Häusermeer, aus dem der Lykavittos hervortaucht, wie eine Insel.

Zurück zum Kafenion Anefani. Hier bekomme ich meine griechischen Kaffee auf traditionelle Weise im Ibrik serviert. Ein schönes, aber besonders erfreuliches Detail. So sitze hier an den Athener Stufen und lasse die Touristen an mir vorüberziehen, während ich den bittersüßen Kaffee genieße. Das nächste Kapitel des Athener Kaffee-Tagebuches schreibt sich wie von selbst.

Quellen: Wikipedia, Dumont direkt Athen, Reise Know-How Citytrip Athen, Merian Live Athen, griechenland.de, e-table.gr.

6 Gedanken zu “Athener Kaffee-Tagebuch: Plaka – Anefani – Anafiotika

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