9-Euro-Ticket-Tours: von Mönchen, Drachen und Jungfrauen

Das Ähndl könnte man zügig erreichen, müsste man nicht ständig anhalten, um die Aussicht über das Murnauer Moos zu genießen – ohne Frage einer der schönsten Landstriche Bayerns, ach was sage ich?, der Welt! Die Gaststätte Ähndl liegt am Rand des Naturschutzgebietes Murnauer Moos und direkt neben dem historischen Ramsachkircherl.

Die Kapelle ist ab dem 14. Jahrhundert nachweisbar, im Kern spätgotisch und weist heute eine barocke Fassung nach größeren Umbauten im 15. und 17. Jahrhundert auf. Man erzählt sich, dass ein iro-schottischer Wandermönch hier im 3. Jahrhundert eine Klause auf einem Keltenheiligtum errichtet haben soll und der Altarstein und drei der Stufen aus dieser Zeit stammen sollen. Belegt allerdings ist, dass Wandermönche um diese Zeit herum begannen Bayern zu christianisieren.

Um Fassung ringen wir immer wieder ob der tollen Aussicht. Einen Abstecher kann man von hier zum Drachenstich machen, doch wer aufgepasst hat, der weiß, dass der Lindwurm hier nie gehaust haben kann, trieb er sein Unwesen doch von einer Insel aus. Vielleicht hatte er auch nur einen Sinn für tolle Ausblicke und das war sein bevorzugter Brotzeitplatz?

Die wildromantische Schlucht mit dem kleinen Wasserfall diente als Kulisse für Aufführungen der Murnauer Verschönerungsvereins um die Jahrhundertwende. Eines der aufgeführten Volksstücke trug den Titel Drachenspektakel. Wir haben den südlichsten Punkt unserer kleinen Reise erreicht. Doch der Rückweg nach Murnau ist nicht weniger spannend.

Finden wir doch noch einen weiteren heiligen Ort praktisch am Wegesrand. Naja, ein wenig steigen müssen wir schon, nämlich hinab in den steilen Hang eines Bachufers in einer Waldschlucht. Hier liegt eine Grotte mit einer Quelle, die 1893 aufwendig als Lourdes-Grotte ausgebaut wurde. Damals stifteten Anton und Therese Mayr diese Tuffstein-Grotte mit Lourdes-Madonna. Nach den Marienerscheinungen im Jahre 1858 im französischen Lourdes wurden Ende des 19. Jahrhunderts vielerorts in Europa Mariengrotten errichtet. Bereits am 21. März 1815 hat Papst Pius VII. Maiandachten nicht nur gutgeheißen, sondern sogar mit großen Ablässen begnadigt. Diese Nachlässe zeitlicher Sünden-Strafen konnten fürbittweise auch den armen Seelen im Fegefeuer zugewendet werden, um schneller in den Himmel zu gelangen.

Jetzt haben wir aber zu recht Kaffeedurst. Und genau deshalb kehren wir als nächstes in der Murnauer Kaffeerösterei ein…

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