Toms Kaffee-Moment: Lärm zum Sonntag

Ich liebe meinen Balkon. Er ist zwar klein, aber groß genug für ein bis zwei Menschen. Ab drei Personen wird es eng, für ein Frühstück allein oder zu zwei aber ideal. Nun ist es unter der Woche gerne mal etwas laut, was der Baustelle gegenüber geschuldet ist. Am Sonntag ist es das nicht. Eigentlich.

Heute begann meine Wohnung zu vibrieren. Die Russen kommen? Eine Techno-Party im Haus? Ein Erdbeben? In der Vitrine klirrten die Gläser. Nein, es waren nicht die Russen, es war eine Biker-Demo, die über die Kreuzung brummte. Darum geht es: einige geplagte Gemeinden wollen Motorrad-Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen durchsetzen. Wegen Lärm. Die Biker wollen das nicht. Wegen Freiheit und so.

Eine politische Lösung ist derzeit nicht in Sicht. Verkehrsminister Andreas Scheuer, der Mann, der gegen eine Einschränkung wild wuchernder Fahrdienste auf dem deutschen Taximarkt ist, ist auch gegen Einschränkungen beim Motorrad-Lärm: „Ich will keine weiteren Verbote und Verschärfungen für Motorradfahrer“, sagte er der Passauer Neuen Presse. Scheuer wies außerdem darauf hin, dass die Idee für ein generelles Fahrverbot für besonders laute Motorräder an Sonn- und Feiertagen nicht aus seinem Ministerium stamme.

In Tirol gibt es so ein saisonales Fahrverbot für besonders laute Motorräder bereits. Betroffen sind Motorräder mit einem Standgeräusch, dem sogenannten Nahfeldpegel, von über 95 Dezibel. Das entspricht einer Holzfräsmaschine im Einsatz! Setzt sich das zweirädrige Gefährt in Bewegung, dann versucht es Motorsägen, Rockkonzerte und Düsenflugzeuge beim Start zu übertönen – mit Erfolg! Die Motorrad-Demo war deutlich lauter, als die Baustelle gegenüber…

Gibt es ein Recht auf Lärm? Wenn es noch eines bis dahin fehlenden Arguments bedürft hätte, um mich zu einem glühenden Verfechter von Fahrverboten für besonders laute Motorräder zu machen, dann war diese Demo bestens geeignet dafür. Der Zündfunke so zu sagen. Motorradfahren ist ja gut und schön und hat auch in unserer Gesellschaft seinen berechtigten Platz – ich weiß ja auch einige Zweiradfahrer unter meinen StammleserInnen – aber so laut muss es dann doch nicht sein. Es gibt ein Recht auf Motorradfahren! Ein Recht auf infernalischen Lärm gibt es nicht. Und das Lärm eine Umweltbelastung ist, dafür war diese Demo der beste Beweis.

Ich saß also auf meinem Balkon, als der Lärm-Corso seinen Lauf nahm. Obwohl immer nur wenige Motorräder die Kreuzung auf einmal querten, so war der Lärm doch deutlich lauter, als ich ihn von der nahen Baustelle gewohnt war. Als mit dem letzten Biker auch der Lärm seines Weges zog, hallte die Stille noch einige Minuten in den Ohren nach. Ich holte mir noch einen Kaffee aus der Küche und genoss den „ganz normalen“ Straßenverkehr….

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Gegen ein getuntes Motorrad…

…ist so eine Kaffeemaschine geradezu lautlos! Wenn Dir mein Blog gefällt, dann freue ich mich über ein Trinkgeld, dann natürlich in Kaffee angelegt wird!

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22 Gedanken zu “Toms Kaffee-Moment: Lärm zum Sonntag

  1. Das kann ich gut verstehen, dass Du gegen den zum Teil höllischen Lärm der Motorräder. Über Andreas Scheuer und seine Politik braucht man keinen Kommentar abgeben, er leidet bestimmt nicht unter dem Lärm. Am Rursee in der Eifel hat man in einem Ort das Durchfahrtverbot für Motorräder durchgesetzt, zum Wohle der Anwohner und der Leute, die sich dort erholen möchten. Das müsste auch sonst möglich sein.

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    1. Ich habe ja wirklich nichts gegen Motorradfahrer. Aber ich habe etwas gegen Extra-Lärm. Warum muss es immer extra-laut sein? Ich finde, man kann sich auch ohne die Geräuschkulisse einer Großbaustelle oder eines Flughafens fortbewegen…

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  2. Sei froh, dass du nicht auf dem Land wohnst! Die angesägten Auspuffe der Mopeds hörte man schon am Ortseingang. Wir wohnten am Ortsausgang. 😄
    Aber ja, ich verstehe dich. Der Extra-Lärm ist unangenehm und muss nicht sein. Wenn der Kaffee aus der Tasse schwappt, weißt du einfach: Es ist zu laut! 🙈

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  3. Da Rücksicht nicht vermittelbar ist – muss es wohl gesetzlich geregelt werden- wo sind denn die so umweltbewussten Grünen ?
    Besser wäre vielleicht einen Truppenübungsplatz f Biker und andere mit entsprechendem Imponiergehabe-
    In der Stadt uns sonntags
    haben die lauten Motorräder nichts zu suchen
    Genießt den Restsonntag
    Lg Meggie

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  4. Ach, herrjeh, der Audi (Be)Scheuer(t) – breiten wir lieber den Mantel des Schweigens über diesen „höchst kompetenten“ Bundesminister…
    Eine Motorraddemo mit höllischer Lärmentfaltung mag ja grad noch angehen. Ich wohne an einer ziemlich lebhaften Straße an der südlichen Grenze von Schwabing, und hier toben sich vor allem an den Wochenenden regelmäßig bis in die frühen Morgenstunden das partybegeisterte Jungvolk, sowie die sogenannten Autoposer mit ihren aufgemotzten Nobelhobel aus. Schlafen ist hier von Freitag bis Sonntag nur mehr mit Ohropax und bei geschlossenen Fenstern möglich.

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      1. Ein Bekannter ist Toningenieur. Und der hat vor einer Weile erzählt, dass er von einem großen Autokonzern engagiert wurde, um Fahrgeräusche für E-Autos zu entwickeln. Wir dachten zunächst, der Typ hätte zu viel getrunken, aber der meinte das völlig ernst.

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  5. Es sind diese Leute, die den Rest in Verruf bringen. Was sehr schade ist. Nein, es gibt kein Recht auf Lärm. Manchmal habe ich in der Biker-Community das Gefühl: je lauter, umso besser. Einige Gesellen rüsten ihre Maschinen um, entfernen die Schallventile oder klappen sie auf, Hauptsache die Karre klingt, als würde gleich die Erde aufspringen. So ein Motorrad ist von Natur aus lauter als andere Fahrzeuge, insbesondere wenn es beschleunigt, sich also kurz hinter dem Ort befindet. Aber es ist durchaus möglich, damit sozial und in normaler Lautstärke durch den Ort zu fahren. Ich weiß es. Wenn wir (mein Freund und ich) Ortschaften passieren, dann „auf leisen Sohlen“. Es gibt keinen vernünftigen Grund, in der Fünfzigerzone am Gasgriff zu spielen. Wenn man willens ist, kann man Rücksicht nehmen. Und das sollte man auch, will man weiterhin als Biker gern gesehen werden und die Beschaulichkeit kleiner, pittoresker Städtchen genießen.

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    1. Ich hatte bei meiner Bemerkung „ich weiß ja auch einige Zweiradfahrer unter meinen StammleserInnen“ in der Tat an Dich gedacht, bin aber bereits davon ausgegangen, dass Du das ähnlich siehst, wie ich. Dass ein Zweirad gewöhnlich lauter klingt, als ein Auto, mag ja in der Natur der Sache liegen – und wäre damit ja zu tolerieren – aber bewusst auf Lärm zu machen und dann was von Freiheit zu faseln, passt einfach nicht zusammen. Es sind heute einige dicke Brummer durch die Straße hier gebrettert, bei deren Geräusch die Gläser in der Vitrine geklirrt habe. Nein, ein Motorrad muss nicht lauter sein, als die Baustelle gegenüber und wenn, dann nicht am Sonntag. Vielleicht werde ich ja alt, aber ich brauche diese Beschallung nicht. Und sollte ich den den Motorradführerschein machen (ich spiele seit einiger Zeit mit dem Gedanken meinen Führerschein Klasse B mit A1 aufzumotzen), dann würde ich mir ein Gefährt nach Bequemlichkeit aussuchen und nicht nach der Lautstärke!

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      1. Dabei sind die Chopper am lautesten, die ja bekanntlich als sehr bequem gelten 😉 aber das hängt, wie gesagt, sehr von der Fahrweise ab. Ich kann dir den A1 nur empfehlen, Motorrad zu fahren ist ein besonderes Gefühl, und zwar abseits vom „sehen und gesehen werden“. Dieses unnötige Herumdröhnen hingegen finde ich einfach asozial. Weil die anschließenden Maßnahmen dann eben alle Fahrer betreffen, nicht nur die lauten…

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  6. Der „Sound“ gehört bei einem schweren Motorrad zum „Feeling“. Darüber kann man mit einem Biker nicht diskutieren. Ich kann das sogar nachfühlen, dass es einen Höllenspaß machen muss, mit einer Harley so richtig Stoff zu geben. Ich kann es jedenfalls eher verstehen, als dass es auch Leuten Spaß zu machen scheint, mit röhrendem Laubbläser ein Dutzend trockener Blätter quer über den Hof zu treiben. Aber natürlich fluche ich, wenn der Nachbar, der sein Motorrad in der Garage genau gegenüber meinen Fenstern zu stehen hat, es für eine gute Idee hält, am Sonntag früh um sechs ein paar Runden durch die noch leeren Straßen zu drehen. Verbote sind doof, das dachten wir als Kinder alle, jedenfalls bis die älteren von uns irgendwann einsahen, dass die Verbote (jedenfalls mehrheitlich) einen Sinn gehabt hatte. Dank der antiautoritären Erziehung kommt es heute nicht mehr zu dieser Erkenntnis. Verbote bleiben doof. Das findet auch die Regierung, und wir alle kommen nicht umhin, uns gegenseitig gewaltig auf den Wecker zu fallen. Alles hat seinen Preis. Es lebe die Freiheit!

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