In eigener Sache: LQI

Ich habe einen weiteren Blog angefangen. Nicht, weil ich hier nicht ausgelastet wäre, sondern weil ich ihn für eine Notwendigkeit halte. Zu finden ist er unter linguaquartiimperii.wordpress.com/. Doch was bedeutet LQI? Ich darf mich hier einmal selbst zitieren:

„LQI

Der Titel ist Programm und Anmaßung zugleich.

Vor einigen Tagen fiel mir per Zufall ein Buch in die Hand: ‚LTI‘, die Lingua Tertii Imperii von Viktor Klemperer, Professor für Sprach- und Literaturwissenschaften, jüdischer Herkunft und verfolgt im Dritten Reich. Schon nach wenigen Zeilen wurde mir eines klar: das Vierte Reich liegt nicht in einer fernen Zukunft, es hat bereits begonnen.

Es ist genau diese verräterische Sprache, die damals schon die Nazis entlarvt hat und die heute wieder die wahren Ziele der ‚Neuen Rechten‘ und der AfD enttarnt. Nur dieses Mal noch unverfrorener und noch unverhohlener. Und wieder denkt sich eine stumme Mehrheit: ‚Es wird ja nicht so schlimm kommen.‘ Doch. Wird es. Die Zeichen liegen offen da.

Zum Teil bedienen sie sich eins zu eins der Sprache des Dritten Reiches. Zum anderen Teil formen sie ihre eigene Sprache. Zusammen ergibt das die Lingua Quarti Imperii, die Sprache des aufgehenden Vierten Reiches und Lingua Franca der Neurechten in ganz Europa und in anderen Teilen der Welt. Als hätte es ein Drittes Reich mit all seinen Unmenschlichkeiten nie gegeben.

Der Titel ist Anmaßung. Ich bin kein Klemperer, kein Professor, kein Philologe, kein Wissenschaftler. Ich werde nicht auf Grund meiner Herkunft verfolgt. Aber ich habe Sprachgefühl und erkenne, wie viele andere auch, was uns bevorsteht. Auch, wenn wir es nicht verhindern können, wir müssen es dennoch versuchen. Wir müssen uns dagegenstemmen. Wir müssen und wehren. Nur dann haben wir eine Chance, dass die Geschichte mit unserer Generation und unserer Nation vielleicht gnädiger umgehen wird, als mit der des Dritten Reiches. Nämlich dann, wenn das Vierte Reich vergangen ist.

Was ist LQI? Ein unordentliches, unvollständiges Wörterbuch der rechten Sprache mit Querverweisen zu tagesaktuellen Begebenheiten. Die Weigerung der Bundesregierung die 2.000 Ortskräfte, die noch in Pakistan ausharren, aufzunehmen, obwohl es ihnen und ihren Familien versprochen worden war, die maskierten ICE-Agenten, die Menschen in den USA verhaften und verschwinden lassen, die Kriegsgräuel und der Genozid im Gaza, die Vertreibungen im Westjordanland – es hätte viele Gründe und Anlässe gegeben um mit diesem Blog zu beginnen. Nun ist es ein ganz „gewöhnlicher“ Donnerstag.

Verräterisch ist die Sprache, die Verdrehung von Tatsachen, die Umkehr von Tätern in Opfer und umgekehrt. Die Sprache einer Welt, in der der Angriff auf Israel am 7. Oktober vor zwei Jahren mit 1.182 Ermordeten ein Genozid ist, die Ermordung von über 100.000 Palästinensern nicht. Einer Welt, in der in den Augen des Präsidenten alle Demokraten kommunistische Irre und Terroristen sind und dessen Agenten das Land terrorisieren. Eine Welt, in der AfD-Anhänger sich ihrer Menschenwürde beraubt fühlen, weil man ihnen widerspricht.

Nein, das wird kein neutraler Blog. Und es muss nicht jeder gutheißen was hier steht. Es muss nicht jeder der gleichen Meinung sein, wie ich. Aber für die, die nur dann von Meinungsfreiheit reden, wenn sie ihre Meinung durchsetzen wollen, ist hier kein Platz. Allen anderen aber kann er eine Heimat sein.“

Ich hoffe, dass es mir so gelingen wird auf meinem Kaffee-Blog weiterhin so neutral wie möglich zu sein. Für eine klare politische Positionierung, die – wie einige von Euch kritisiert haben – bei Coffeenewstom bisher fehlte, habe ich da genügend Raum. Ich bitte deshalb um gelegentliche Beachtung.

Titel-Bild von Clker-Free-Vector-Images auf Pixabay.

2 Gedanken zu “In eigener Sache: LQI

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