Ein Detail, auf das man fast schon penetrant hingewiesen wird: die Burg Burghausen ist die weltlängste Burg. Ein unbestreitbarer Fakt: Auf einem Höhenzug über der Altstadt erstreckt sich die Burg zu Burghausen, die mit 1051 Metern die längste Burganlage der Welt ist. Was dazu führt, dass man Wegweiser zur Burg vermisst, während es an Wegweisern zur „weltlängsten Burg“ nicht mangelt. Überhaupt hat sich in Burghausen vor jedes erdenkliche „Burg“ ohne den Zusatz „hausen“ ein „weltlängste“ geschoben. Ich vermute einmal, dass Burghausen die weltlängste Burg der Welt ist.

Das Stadtbild ist heute im Wesentlichen durch zwei entscheidende Entwicklungsphasen geprägt: zum einen durch die Bedeutung als Residenzstadt im Spätmittelalter, zum anderen durch die zu Beginn des 20. Jahrhunderts einsetzende Industrialisierung der Stadt als Teil des Bayerischen Chemiedreiecks. Die Burg zu Burghausen und die mittelalterliche Altstadt sind in großen Teilen erhalten, und in Richtung Norden und Westen haben sich seit den 1910er Jahren moderne Industrie-, Gewerbe- und Wohngebiete als Neustadt auf ehemals land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen ausgebreitet.

Die weltlängste Burg ist nicht allzu weit vom Bahnhof Burghausen entfernt. Etwa 1,2 km geht es hier durch die Neustadt. Hier hat man in die Breite gebaut, was sich in einer geräumigen Hauptstraße, der Marktler Straße, ausdrückt. Ich folgend erreicht man zügig die Nordseite der weltlängsten Burg. Wie ein schlafender Lindwurm liegt die Burg auf dem Bergrücken, der Schwanz im Norden, der Kopf mit der Hauptburg im Süden. Im Osten begrenzt die Altstadt am Ufer der Salzach – und damit an der Grenze zu Österreich – den Ort, im Westen liegt der Wöhrsee, der Altwasserarm der Salzach.

Im späten Mittelalter war Burghausen eine wichtige Nebenresidenz der bayerischen Herrscher, was sich auch dadurch manifestierte, dass die Stadt in der Folge nach der Wiedervereinigung der Teilherzogtümer jahrhundertelang Sitz eines der ursprünglich vier, später fünf Rentämter Bayerns und somit Verwaltungszentrum war. Ein genaues Gründungsdatum Burghausens ist nicht bekannt, offenbar ist der Ort schon seit Jahrtausenden besiedelt.

Ich bin als Kind einmal hier gewesen. Erinnerungen gab es nur noch ganz vage, allerdings konnte ich mich später an einige der riesigen Schlachtenszenen erinnern, wie sie gemalt und gewebt überall im Fürstenbau hängen. Eines zeigte sich an diesem kalten Januartag: es war im Winter schon recht unwirtlich in den mittelalterlichen Burgen. Richtig beheizt ist hier nur die Stube der Wachleute. In der Burg selbst herrscht annähernd Außentemperatur.

Trotzdem werden gerade im nördlichen Teil viele der zahlreichen Wohngebäude der Burganlage bis heute genutzt, sei es als Wohnhaus, als Arztpraxis, Büro oder Geschäft. Nur an der Kaffeeversorgung mangelte es deutlich, da das Burgrestaurant geschlossen hatte. Doch eindrucksvoller, als die fast vollständig erhaltene Ringmauer, die unzähligen Türme und Türmchen – es sind insgesamt über 70 Gebäudeteile – ist natürlich die Hauptburg mit dem Palas, der Kemenate und dem Dürnitzstock.

Im Hauptgeschoss des Fürstenbaus, dem Palas, sind die mittelalterlichen Wohnräume der niederbayerischen Herzöge zu besichtigen. Mächtige Balkendecken und die Ausstattung mit Möbeln, Waffen, Bildteppichen, Gemälden und Skulpturen zeigen eine Annäherung an die Wohnkultur des späten Mittelalters und erzählen von der bewegten Geschichte der mächtigen Burganlage. Die Zweiggalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen zeigt im zweiten Obergeschoss des Palas spätgotische Gemälde des 15. und 16. Jahrhunderts aus dem süddeutschen und insbesondere dem bayerischen und dem benachbarten österreichischen Raum.

Im dritten Obergeschoss beeindrucken sechs monumentale Gemälde aus einem Zyklus zur Geschichte der bayerischen Herzöge, den der Maler Hans Werl nach 1600 für den Alten Herkulessaal der Münchner Residenz schuf. Eine Auswahl spätmittelalterlicher Skulpturen rundet die Präsentation ab. Sehenswert natürlich der Blick auf Altstadt und Salzach und – insbesondere vom Burgfried – weit übers Land.

Apropos Blick auf die Altstadt: es ist nun wirklich Zeit für einen Kaffee! Deshalb nutze ich gleich den Burgsteig über die Ostflanke der Burg hinunter zum Stadtplatz. Hier müsste ich ja fündig werden. Doch davon morgen mehr.

Quellen: Wikipedia, schlösser.bayern.de, burg-burghausen.de.
Genau mein Ding. Ich mag die mittelalterliche Architektur. Hier in der Nähe haben wir die ‚Burg Königstein‘ und innerhalb der Stadt das ‚Isenburger Schloss‘ mit einem Fluchtgang, der unter dem Main durchgeht. Offenbach hatte früher einmal viele schöne Cafés. Die sind leider irgendwelchen Dönerbuden gewichen. Offenbach hat den höchsten Ausländeranteil und in das Viertel, wo ich geboren wurde, traue ich mich gar nicht mehr rein. Das soll nicht abwertend gemeint sein, aber wo sich Ghettos bilden, kommt es oft zu Feindseligkeiten gegen die übrige Bevölkerung. Ich wohn jetzt etwas abseits und da sind die Cafés in die Filialen der Bäckereiketten eingebunden: ‚Bauder‘ und ‚Eifler‘, also nix mit Café-Romantik, weil ja im gleichen Raum sitzt, wo auch das Publikum bedient wird. Aber wer das ausblenden kann, der erhält doch immerhin einen heißen Kaffee und ein Schinkenbrötchen zum angemessenen Preis .. Danke!
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Google offeriert auf Anfrage in Offenbach einige Cafés, von denen einige auf den ersten Blick ganz passabel aussehen.
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Ja, tut mir leid, aber ich wohn seit ein paar Jahrzehnten etwas weg vom Schuss und kenn den Status Quo leider nicht. Meine Cafés, wo ich früher manches Kännchen leerte, die gibt es leider nicht mehr. Aber schön, da werd ich auch mal googeln und wenn ich wieder einmal nach Offenbach zum MRT muss, da wohl doch noch etwas leckeres finden und hier davon berichten. Danke für die Info ..
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Immer gerne.
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Da gibts übrigens auch eine Liste im Internet der alteingesessenen offenbacher Traditionsläden, die geschlossen haben und zwar teilweise lang vor Corona. Da trauer ich manchem Geschäft, egal ob Mode oder Eisenwaren, heute noch hinterher. Dafür haben Ein-Euro-Läden sich vermehrt. Liegt wohl an der Konkurrenz durchs Internet. Auch Bäckereien, die ihre Cafés in der City hatten, mussten schließen wegen der Konkurreznez durch Billigbäcker und Discounter. Sogar Lidl hat jetzt einen Kaffeeautomaten to go am Ausgang. Der Zeitgeist hat Vor- und Nachteile. Gehört hier vielleicht nicht her, aber sind so Gedanken, wenn ich zurückdenke in meine alten Cafés. Ich hab ne Espresso-Maschine und die wird jetzt bedient. Der Körper brauchts. Soll ich dir schnell einen mitmachen?
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Unbedingt!
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Genau, als Kind war ich zuletzt dort. Und schwer beeindruckt. Superlative sind immer eindrücklich. Weshalb die Menschen, einmal zu Reichtum oder Macht gekommen, gerne mit derlei um sich werfen. Freilich, der beste Text dazu ist Brechts historisch interessierter Arbeiter, der die Frage stellt: Wer hat diese Bauwerke errichtet? Der oder jener König? Gewiß nicht! Die Pläne haben Architekten, Baumeister gemacht, die Steine andere geschleppt, behauen, eingefügt…
Apropos, das Burgrestaurant war geschlossen, aber in dem Fall vermutlich auch die alte Burgküche, irgendwo in den Gewölben? Das ist heutzutage meist der Fall, ich vermute, dass da irgendwelche kleinlichen gewerkschaftlichen und brandschutztechnischen Vorschriften Anwendung finden. Außerdem wußten die dort vermutlich gar nicht, was Kaffee ist, das wäre also auch nicht hilfreich gewesen.
Das Mittelalter fand ich als Kind (in geheizten Wohnungen sitzend,) sehr ansprechend und eindrucksvoll. Ehrenwerte Ritter auf hohem Roß, allzeit hilfsbereit wie ein Pfadfinderwölfling den edlen, wunderschönen Jungfrauen auf hohem Söller oder ebensolchem Zelter gegenüber. Die für gewöhlich mindestens als Prinzessin durchgingen und deshalb von greulichen Drachen oder schwarzen Rittern entführt worden waren. Für gewöhnlich der einzige nenneswerte Distress, den so eine Prinzessin in ihrem Leben erfährt. Der Ritter tötet also in ehrlichem Zweikampf seinen eigentlich unbesiegbaren Gegner, die Prinzessin und er, also, in der Bibel würde stehen, sie erkannten sich… und lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende dieser Geschichte.
Das Bild bekam recht bald Risse wie so ein alter Wandteppich. Aber ein bißchen trauere ich ihm immer noch nach. Klar weiß ich, dass die vieledle und ihre Zofen umherscheuchende, verwöhnte Prinzessinengöre und der mächtig starke, aber doch seelengute, fromme Rittersmann nichts mit mir zu tun hätten, sondern ich da unten in der rußigen Küche – wenn ich Glück gehabt hätte! – mein Dasein mit schwerer Arbeit zu fristen hätte. Aber man darf ja mal träumen! Oder darf man das nur als Kind?
Ah. Der Kaffee ist fertig. Von der zugehörigen Maschine gefertigt. So ist es recht. Vielleicht doch lieber nicht zurück ins Mittelalter.
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Danke für Deine ausführliche Ergänzung! ❤️
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Ach ja, der Kindheitstraum von Ritter und Burgfräulein… vermutlich ein immerwährendes Trauma, dass daraus nichts wurde (wenn auch kein so großes, wie die Tatsache, dass die berühmte Tierforschungsstation, die ich als Kind weitgehend aber nicht nur in meinen Phantasien betrieb, nie die liebreizenden Gäste bekam, die erwünscht waren. Kleinliche Eltern, was kann man schon mit Hund, Schildkröte, Hamster… anfangen? Wenn man sich einen Nebelparder und ein Zwergnilpferd wünscht!).
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Spannend, spannend, ich habe von diesem Ort noch nie etwas gehört. Das will ich mir mit eigenen Augen ansehen, diese längste Burg der Welt. Ein guter Tipp für den nächsten Ausflug, danke dafür 😉
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Nicht so exotisch, wie Deine Reiseziele, aber absolut sehenswert!
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Ich bin auch viel in Nichtexotisch unterwegs 🙂 man liest nur wenig darüber, weil ich mit den Berichten nicht nachkomme 😉
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Geht mir ähnlich…
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