Deutschlandticket-Tour: Wilder Mann, Salzburg

Ein wilder Geselle ist er mit schuppiger Haut, langem Bart, Blättern und Ästen als Haaren und einem Baumstamm in der einen Hand und ein Wappen Salzburgs in der anderen. So jedenfalls sieht man ihn abgebildet als Brunnenwart, geschaffen vom Salzburger Künstler Johann Reitter Maler im Jahr 1621. „Wilde Männer“ sind mythische Waldwesen, die in der Vergangenheit oft als Wappenhüter dienten. Die Sage erzählt, daß der „Wilde Mann“ sich einmal im Jahr um sich selbst drehe, um hierauf wieder zwölf lange Monate starr und unbeweglich auf seinem Platz zu verharren. Dieses Wunder soll sich stets am Karfreitag, genau um die Mittagsstunde, beim Zwölfuhrläuten, vollziehen, und alte Salzburger behaupten, sie hätten dies mit eigenen Augen gesehen. 

Jetzt mehren sich Stimmen, die zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen seien und dieses Ereignis nicht bezeugen können. Doch auch dafür gibt es eine einfache Erklärung: der Wilde Mann steht nicht am rechten Ort. Ursprünglich stand sein Brunnen nämlich „am alten Vischmarkt“, dem heutigen Hagenauer Platz, bis ihn Erzbischof Wolf Dietrich von dort entfernen ließ. An diesem Ort befand sich auch das „Obere Tränktor“, wo – wie sollte es anders sein – das Vieh der Stadt getränkt wurde.

Der Brunnen erfüllte am Platz eine wichtige Funktion: Sein Wasser sprudelte durch die Auslassungen im Becken in hölzerne Behälter, wo sich lebende Fische tummelten, die am Markt verkauft wurden. Jetzt bewacht er den Brunnen im Furtwängler Park und ohne Blick auf seine geliebte Salzach. Dass am Karfreitag gar keine Glocken geläutet werden kommt vielleicht erschwerend hinzu.

Namensgebend war er jedenfalls für das „Wirtshaus zum Wilden Mann“, ursprünglich in der Griesgasse 17, seit 1884 in der Getreidegasse 20 im Durchhaus des sogenannten Riederleg-Hofes. Ein schönes, ehrliches Wirtshaus an einem der Durchgänge zwischen Getreide- und Griesgasse, das ich schon alleine für sein unvergleichliches Gulasch gerne und regelmäßig aufsuche. Regelmäßig, dass heißt wenn möglich bei jedem Salzburgbesuch – so auch heute. Hier gibt es typisch österreichische Küche, vom Salzburger Zwiebelrostbraten über Bauernschmaus und Gselchtes bis zum Beuscherl. Palatschinken, Kaiserschmarrn und hausgemachter Apfelstrudel runden das Angebot ab.

Ich lasse mir sogleich ein frisch gezapftes Stiegl Gold bringen. Was Ihr hier übrigens auf meinem Teller seht ist die kleine Portion Gulasch! Ich glaube die reicht mir heute. Tatsächlich verirren sich nur wenige Touristen hierher. Es liegt halt doch abseits der großen Ströme. Aber dafür sind viele Einheimische da, Bänker neben Handwerkern, Touristen neben Eingeborenen – man muss froh sein wenn man zur Mittagszeit überhaupt einen Platz bekommt! So, jetzt geht es aber weiter, denn ich habe heute noch etwas vor. Aber davon erzähle ich Euch morgen…

Gasthaus „Zum Wilden Mann“, Getreidegasse 20, Salzburg, Österreich; Öffnungszeiten: Dienstag – Samstag 11:30 – 20:00 Uhr.

Quellen: sagen.at, stadtbekannt-salzburg.at.

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