Kretisches Kaffeetagebuch: Iraklio I – Agios Minas

Der Name dieser Metropole kommt nicht von Ungefähr: Iraklio bezieht sich auf den griechischen Halbgott Herakles, der hier an Land gegangen sein soll auf der Jagd nach dem Kretischen Stier, die siebte Aufgabe, die Eurystheos dem Helden gestellt hatte. Der Stier ist uns schon in Knossos begegnet. Minos verhalf der Besitz dieses schönen Tieren zur Königswürde, doch er behielt ihn anschließend lieber, als ihn, wie versprochen, Poseidon zu opfern. Der nahm ihm das übel und stürzte Minos’ Gemahlin Pasiphae in unsterbliche Liebe zu dem Stier. Damit sich Pasiphae dem Stier hingeben konnte, baute Daidalos ein eigens dafür entworfenes Kuhgestell. So entstand der Minotauros. Zudem wurde der kretische Stier von Poseidon mit Raserei geschlagen, wodurch er große Verwüstungen auf Kreta anrichtete.

In minoischer lag hier einer von den vier Häfen von Knossos. Die später eingewanderten Dorer nannten den Ort Herakleia, zu deutsch: Heraklesstadt. Die im 9. Jahrhundert als Eroberer gekommenen Araber nannten den Ort Hadaq, Graben, nach den von ihnen gebauten Befestigungen. Daraus wurde auf Griechisch wiederum Chándakas, oder wie die neuen Herren, die Byzantiner es nannten, Chándax. 1204 besetzte die Republik Venedig die Insel. Sie sollten über 400 Jahre bleiben und verpassten dem Hafen den Namen Candia. Schließlich wurde Candia zum wichtigsten venezianischen Hafen der Ägäis.

In osmanischer Zeit hieß die Stadt Canea, beziehungsweise Kandiye, in manchen Schriften auch Megálo Kástro – große Burg. Erst nach dem Anschluss Kretas an Griechenland 1913 wurde in Anlehnung an den antiken Namen die hochsprachliche Form Iráklion und neugriechisch Iráklio als Name angenommen. Iraklio ist mit offiziell 179.302 Einwohnern (2021) die viertgrößte Stadt Griechenlands und die größte nicht auf dem Festland gelegene Stadt des Landes.

Nach unserer Stärkung in der Bäckerei machen wir uns ganz ohne Navi und frei nach Schnauze auf den Weg ins Zentrum von Iraklio, denn dort gibt es einige Sehenswürdigkeiten, die wir – ganz im Sinne der Kostas-Rallye – abhaken wollen. So erreichen wir in weitem, eleganten Bogen die venezianische Stadtmauer, die die Altstadt fast vollständig erhalten bis heute umschließt. Erste Station ist die Kathedrale Agios Minos, in der wir ein wenig verweilen wollen.

Schon in byzantinischer Zeit löste das damalige Chándax Gortyn als Bischofssitz ab. Die venezianischen Besatzer vertrieben die orthodoxen Geistlichen und verboten ihnen die Religionsausübung. Kreta sollte katholisch werden. Deshalb wurde die ursprünglich orthodoxe Kathedrale Agios Titos in eine römisch-katholische Kathedrale umgewandelt. Nach der Eroberung Kretas durch die Türken 1669 wurde das Agios-Titos-Kirchengebäude in eine Moschee umgewandelt. 1725 erlaubte der Sultan die orthodoxe Kirche auf Kreta wieder. Doch erwies sich die in nur 10 Jahren Bauzeit errichtete neue Kathedrale rasch als zu klein um die nun stark anwachsende orthodoxe Gemeinde zu fassen.

Mit der Erlaubnis der Besatzer begann man 1862 mit einem Neubau. Nach 32 Jahren Bauzeit wurde die Kathedrale Agios Minas wurde am 16. April 1895 feierlich eingeweiht. Die Ausschmückung erfolgte unter der Mitwirkung von Anastasios Orlandos, der 1930 den Entwurf für die Ikonostase erstellte. Die Fresken der Kirche zeigen Themen aus der Bibel von Stelios Kartakis gemalt. Die Kreuzkuppelkirche bietet als eine der größten Kathedralen Griechenlands Platz für 8000 Gläubige. Namensgeber ist der Heilige Minas, der Schutzheilige von Iraklio. Die Kathedrale befindet sich in der Altstadt von Iraklio. Architekt war Athanasios Moussis aus Epirus.

Zwei Holzaltäre mit Ikonen der Mutter Gottes und des Heiligen Minas, beide mit Silberoklad, fallen im Eingang des Mittelschiffes auf. Zahlreiche weitere Ikonen zeugen auch von der Ehrfurcht und dem Glauben der orthodoxen Christen. Die religiösen Darstellungen an den Wänden und in der Kuppel folgen genau den Prinzipien und Motiven der byzantinischen Ikonenmalerei. Die Ausmalung der Kirche mit Fresken wurde erst 1964 von Stelios Kartakis vollendet. Sie stellt Themen biblischen Inhalts dar: im Altarraum: Das Leben Jesu und Himmelfahrt, im Nordschiff: Karwoche, im Südschiff: Auferstehung und Pfingsten, in der Kuppel: Jesus als Weltenherrscher „Pantokrator“, in der Apsis: thronende Mutter Gottes „Hodegetria“ mit Jesuskind, darunter die Göttliche Kommunion.

Entlang der Mittelachse des Hauptschiffes füllen drei riesige Kronleuchter aus Gold und Silber mit dem byzantinischen Doppeladler den Kirchenraum aus. Der mittlere Kronleuchter, aus purem Gold und in der Form einer Tiara gestaltet, hängt direkt unter der Kuppel und symbolisiert den Anspruch auf Weltherrschaft. Die Metropolitan-Kirche vom Heiligen Menas, wie sie genau genommen heißt, ist die orthodoxe Kathedrale des Erzbistums Kreta und damit Sitz des Erzbischofs.

Praktischer Weise ist direkt neben der Kathedrale ein reizender und idyllischer Platz – die Platia Agias Ekaterinis – mit zahlreichen schnuckeligen Straßencafés. Aufgrund des besten Blicks auf das Kirchengebäude entscheiden wir uns spontan für das Café „HOMY“ und lassen uns nieder. Ja, nach Wanderung und Kirchenbesuch ist es wieder einmal Zeit für einen Kaffee, bevor wir uns wieder auf den Weg machen.

So gießen wir eine Typisch griechische Kaffeespezialität: den Cappuccino Freddo. Ursprünglich kommt dieser kalte Kaffee aus Griechenland und Zypern. Tatsächlich ist der Freddo Cappuccino, wie er auch genannt wir, noch gar nicht so alt und galt lange als kurze, griechische Modeerscheinung. Um 1991 wurden die beiden Getränke Freddo Espresso und Freddo Cappuccino zum ersten Mal in griechischen Cafés und Coffee Shops serviert und erfreuten sich schon zu Beginn und gerade bei den vielen Touristen steigender Beliebtheit. Der Freddo Cappuccino gilt dabei als der heimliche Nachfolger des Frappés und des daraus entstandenen Cappuccino Frappé, der mit eher weniger geschmackvollem Instant-Kaffee zubereitet wird. 

Der Freddo Cappuccino ist im Prinzip ein Cappuccino auf Eis, der mit kalter, schaumiger Milch aufgegossen wird. Er ist die weiterentwickelte Form eines Frappés, bei der der Kaffeegeschmack in Form eines Espressos gezielt hervorgehoben wird. Bis heute wird der Freddo Cappuccino wie der Freddo Espresso aber fast ausschließlich in Griechenland und seinen beschaulichen Inseln serviert und getrunken. So wie wir das jetzt machen. Und eines kann ich Euch verraten: er ist echt lecker!  

Homy, Plataia Agias Ekaterinis 3, Iraklio, Kreta, Griechenland; Öffnungszeiten: täglich 07:30 – 23:30 Uhr, Sonntags erst ab 08:00 Uhr. Quellen: Wikipedia, Wild-Kaffee.

7 Gedanken zu “Kretisches Kaffeetagebuch: Iraklio I – Agios Minas

  1. Also dem Freddo Cappuccino gebe ich eindeutig mehr Punkte als dem Cappuccino Frappé, da ich den typischen Geschmack von Instant Kaffee immer sofort rausschmecke. Und der ist seit GB nicht mehr so meins, obwohl er sich verbessert haben mag.

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