49-Euro-Ticket-Tour: Altmühltal – Eichstätt

Mit dem Bus geht es zurück nach Eichstätt Bahnhof und von dort mit dem Zug in die Stadt. Dabei umrundet die Bahnstrecke – genau wie die Altmühl – den Bergvorsprung mit der Willibaldsburg. Eichstätt ist eine Große Kreisstadt in Oberbayern, Sitz des gleichnamigen Landkreises sowie der Verwaltung des Naturparks Altmühltal, außerdem Bischofssitz des Bistums Eichstätt und Hauptsitz der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Eine erste Besiedelung etwa dort, wo heute der Dom steht, gab es schon zur Zeit der Kelten. Daher auch der Name Eistedd, der vermutlich Wohn- oder Versammlungsstätte bedeutet. Später verliefen hier Römerstraße und Limes. Willibald, ein von Winfried Bonifatius als Bischof von „Eihstat“ eingesetzter angelsächsischer Benediktinermönch, errichtete weisungsgemäß ein Kloster als Urzelle des noch vor 762 entstandenen Bistums Eichstätt. Um 880 wurden die Gebeine der Schwester des heiligen Willibald, der heilige Walburga, von Heidenheim nach Eichstätt überführt; an ihrem Grab wurde 1035 ein Benediktinerinnen-Kloster gegründet, das bis heute Wallfahrtsziel ist. Diese Heilige wird nahezu weltweit verehrt.

Anfang des 17. Jahrhunderts betrieben neben den jeweiligen Bischöfen vor allem die Jesuiten und Kapuziner den Aufbau des katholischen Lebens. In Eichstätt und auch in weiten Bereichen des Bistums entstand eine neue Form barocker Religiosität, die auch eine rege Bautätigkeit auslöste.  1802 wurde das Hochstift Eichstätt vom Kurfürstentum Bayern säkularisiert. Nachdem die Residenz Eichstätt an die bayerischen Könige als neue Landesherren gefallen war, wurde die Bischofsresidenz in den ehemaligen Domherrenhof Schönborn verlegt, das heutige Bischöfliche Palais Eichstätt.

Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt ist die einzige katholische Universität im deutschsprachigen Raum und eine von über 200 katholischen Universitäten weltweit. Mit 4.987 Studierenden, davon 758 Fachhochschul-Studierenden ist sie eine der größten nicht-staatlichen Universitäten in Deutschland. Die Universität bietet knapp 70 Bachelor- und Masterstudiengänge an.

Genug der Fakten. Mein erster Eindruck, dass ich im Baustil einige Ähnlichkeiten zu Salzburg entdecke, ist wohl kein Zufall. Nach der Säkularisation gehörte Eichstätt für einige Jahre zum Kurfürstentum Salzburg, bis es 1805 endgültig bayerisch wurde. Wie auch in der Stadt an der Salzach drängen sich hier zahlreiche repräsentative und klerikale Gebäude auf engstem Raum. Vom Eichstätter städtischem Bahnhof aus erreicht man mit nur wenigen Schritten die historische Altstadt.

Zuerst wende ich mich dem eher weltlichen Marktplatz zu. Hier liegt auch das urige Café Chocolatique – leider bei meinem Besuch schlicht und einfach voll. Daher vermute ich, dass es auch gut ist. Ich hingegen lasse mich weiter durch die Altstadt treiben, statte dem Dom Mariä Himmelfahrt und dem gotischen Kreuzgang einen Besuch ab und streife dann das Diözesanmuseum Eichstätt. Nach Museum ist mir heute nicht zu Mute. Eher nach dem beeindruckenden Residenzplatz mit dem alten Stadttheater und dem Domherrnhof Dietrichstein. Auch das Finanzamt residiert hier. Überhaupt kann man hier das Neben-, Mit-, und Gegeneinander geistlicher und weltlicher Mächte schon an den Bauten nachempfinden und erleben.

Über die Spitalbrücke geht es zurück Richtung Bahnhof. Hier reist mich der Foltergalgen Prelle (absichtlich nicht im Bild) aus der Idylle. Hier wurde ein Verfahren angewendet, dass landläufig auch als Bäckertaufe bekannt ist oder auch als Bäckerschupfen, eine Bestrafungsform für Bäcker, die Brot mit zu geringem Gewicht oder von minderwertiger Qualität herstellten. So eine Bestrafung ging üblicherweise mit einer Art Volksfest einher mit der öffentlichen Demütigung des Bäckers als unrühmlichen Höhepunkt. Ich bin froh, dass unser Rechtssystem über derlei Leibstrafen hinaus ist.

Ich suche mir da lieber einen Bäcker oder Konditor, der aufgrund der Qualität seiner Waren keine Taufe zu befürchten hat. Die Verkäuferin in der Bahnhofsbuchhandlung empfiehlt mir schräg gegenüber die Bäckerei Schneller. Das trifft sich für mich, da ich inzwischen weitere Wege lieber scheuen würde, denn ich bin heute schon genug gelaufen und ich so die verbliebene Zeit bis zur Abfahrt meines Zuges am besten nutzen kann.

Ein Cappuccino und ein Mandarinen-Käsekuchen soll es sein. Über den Umstand, dass mir ein Café mit Bedienung lieber gewesen wäre, sehe ich einmal hinweg, denn Preis und Qualität stimmen. Außerdem muss ich noch meinen Brief fertig schreiben. StammleserInnen könnten erraten an wen. So vergeht die Zeit bis zur Rückfahrt mit nur einmaligem Umsteigen im Flug.

Daheim lasse ich den Ausflug in aller Ruhe ausklingen: mit Wurstwaren von der Metzgerei Schieber aus Wellheim auf Bauernbrot aus der Bäckerei Schneller und einem süffigen Hofmühl Hell aus Eichstätt. Alles in allem hat sich meine erste Tour mit dem 49-Euro-Ticket echt gelohnt.

Schnellers Backstubn, Am Anger 2, Eichstätt, Bayern; Öffnungszeiten: Montag – Freitag 06:00 – 18:00 Uhr, Samstag 06:30 – 13:00 Uhr. Quelle: Wikipedia.

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