Athener Kaffee-Tagebuch: Piräus

Vom Zentralmarkt zur Metrostation Monastiraki sind es nur ein paar Schritte. Man kann nicht hier vorbeigehen, ohne mindestens einen Blick auf die Akropolis zu werfen, die hoch über der Stadt thront und im Sonnenlicht weiß zu leuchten scheint.

Von Monastiraki führt die Metrolinie 1 direkt nach Piräus. Dabei folgt die Ilektrikós der Strecke von 1869. Monastiraki ist somit eine der ältesten U-Bahnstationen der Stadt. Früher fuhr man hier noch mit Dampfloks. Heute ist die Verbindung natürlich elektrifiziert. Die Linie bildet das Rückgrat des Athener Metrosystems und führt von Piräus über Omonia bis nach Kifissia im Norden. Die anderen Linien kamen erst später dazu, die letzten erst zur Olympiade.

Der heutige Bahnhof Piräus ist der frühere Bahnhof der Sidirodromi Pireos–Athinon–Peloponnissou. Da der ehemalige Bahnhof der Peloponnes-Bahn in Piräus sehr verkehrsgünstig lag wurde er komplett umgebaut und als neuer Anfangspunkt für die normalspurige Bahnstrecke Piräus–Thessaloniki hergerichtet. Doch verlässt man den Bahnhof, dann sieht man sich mit einer gezwungen wirkenden Moderne konfrontiert.

Hochhäuser, die einmal modern waren, umrahmen die Hafenbucht, die in den Sarinischen Golf mündet. Dabei ist Piräus der historische Hafen der griechischen Hauptstadt Athen und südlicher Endpunkt der wichtigen das Land von Thessaloniki beziehungsweise Patras aus durchquerenden Verkehrsverbindungen. Damit hatte der Hafen schon immer eine strategische Bedeutung. Themistokles, Athener Staatsmann und Sieger der Schlacht von Salamis, ließ den Hafen durch die Lange Mauer schützen, die den Zugang von der Stadt aus sicherte.

Der Hafen ist mit 17,6 Millionen Passagieren im Jahr 2019 der größte Passagierhafen Europas, 16,5 Mio. davon im bedeutenden Fährverkehr und 1,1 Mio. mit Kreuzfahrtschiffen. Gleichzeitig ist Piräus der viertgrößte Hafen Europas im Container-Verkehr und der mit dem größten Container-Umschlag am Mittelmeer.

Sehenswert ist die Kirche Ieros Naos Agia Triada, die Kirche der heiligen Dreifaltigkeit. Es ist die Metropolenkirche in Piräus. Auf dem Gelände wurde das erste Mal Anfang des 19. Jahrhunderts eine Kirche errichtet, die im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört wurde. Nachdem einige Zeit eine provisorische Kirche dort stand, wurde 1964 die neue Kirche im neo-byzantinischen Stil eingeweiht.

Das Innere hat einen glänzenden Marmorboden, bunt bemalte Wände um den Altarbereich und eine prächtig bemalte Kuppel, an der ein beeindruckender Kronleuchter hängt. Die Kirche ist im traditionellen byzantinischen und orthodoxen Stil bemalt und hat Platz für 3.100 Personen.

Vor der Kirche steht eine goldene Statue Konstantin XI. Palaiologos. Er war der letzte Kaiser des Oströmischen Reiches. Er war der erfolglose Verteidiger von Byzanz, stellte sich aber, so die Sage, selbst den osmanischen Angreifern entgegen. Mit Konstantins Tod erlosch offiziell das oströmische Kaisertum. Konstantin wird von vielen orthodoxen Christen als Heiliger betrachtet. Offiziell ist er aber nie kanonisiert worden, da er weder einen besonders religiösen Lebenswandel geführt hatte noch der Tod in der Schlacht als spezielles Martyrium für die Orthodoxie angesehen wird.

Genug Geschichte! Jetzt muss Kaffee her! Fündig werde ich direkt dort, wo sich die Fährbenutzer einschiffen. Nicht weit vom Anleger und umrahmt von den Büros der Schiffahrtslinien liegt das Café Aktoploikon. Zugegeben, der Blick ist kein Highlight. Dafür hat man hier echtes Hafen-Feeling.

Ich suche mir einen Platz in der Herbstsonne. Es ist Anfang November und ich kann hier immer noch im T-Shirt sitzen. Dazu gibt es einen leckeren Cappuccino fredo. Besser geht es nicht. Lastwagen schieben sich an mir vorbei und verschwinden im Bauch der Schiffe, Touristen hetzen bekoffert an mir vorbei. Dazwischen Seeleute und die Beamten von Zoll.

Jetzt noch etwas Sonne tanken. Dann mache ich mich auf die Suche nach der richtigen Tram-Station. Denn zurück nach Athen geht es mit der Trambahn, die am Meer verläuft. Doch davon im nächsten Kapitel des Athener Kaffee-Tagebuchs mehr.

Quellen: Wikipedia, worldonabudget.de.

4 Gedanken zu “Athener Kaffee-Tagebuch: Piräus

  1. Ist für mich wirklich faszinierend zu lesen in deinem Athener Kaffee-Tagebuch, weil dabei sehr schöne Erinnerungen an meine Besuche in Athen und auch andere sehr sehenswerte Orte in mir aufkommen Tom!
    Damals hatten wir 40 Grad in Athen und trotzdem genoss ich jeden Tag mit erkunden vieler Sehenswürdigkeiten, auch in anderen historischen Orten, sehr!
    Liebe Grüße, Hanne

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  2. DANKE für dein „wecken“ und erinnern doch endlich mal wieder die Bloggerwelt anzusehen – gerade könnte ich gut eine Auszeit in Athen oder sonst irgendwo in der Wärme gut gebrauchen aber jetzt tauche ich dann mal in Athen virtuell ab – hab ein schönes Wochenende

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