Weiter geht es entlang der Festungsmauer. Was ich hier immer wieder beobachte – und was mir schon in anderen Städten mit historischen Stadtmauern sehen konnte – ist eine Verschmelzung alter, historischer Bausubstanz mit Wohngebäuden aus späterer Zeit. Heute dürften die Auflagen weitaus höher sein. Tatsächlich sieht man einige Stücke der ehemaligen Stadtmauer, die regelrecht herausgeputzt wurden. Andere werden gerade erst renoviert, während wieder andere dem Verfall preisgegeben wurden.

Ein Blick in die Geschichte: ganz früher soll hier der Home steinheimensis sein Wesen getrieben haben. Doch erst seit der Jungsteinzeit sind Siedlungen im Ingolstädter Raum nachweisbar. An der Stadtgrenze hatten später die Römer ein Lager errichtet. Doch bis zur ersten urkundlichen Erwähnung musste Ingolstadt sich bis ins Jahr 806 gedulden. Vermutlich war „villa Ingoldesstat“, die Stätte des Ingold, seit 788 ein karolingisches Königsgut und schon vorher im achten Jahrhundert agilofingisches Herzogsgut.

Um 1280 ist eine erste Stadtmauer nachweisbar. Diese umschloss ein Rechteck mit schachbrettartig angelegten Straßen und einer zentralen Hauptkreuzung beim Schliffelmarkt sowie einer Burg im südöstlichen Eck des Stadtgebiets, dem heutigen Herzogskasten. Der Stadtkern war offensichtlich schon 1258 bewohnbar, da aus diesem Jahr die erste herzogliche Urkunde datiert, die in Ingolstadt ausgestellt wurde. Um 1250 erhielt Ingolstadt Stadtrechte verliehen und später das Münzrecht.

Bereits bei Fertigstellung der ersten Stadtumwallung lag ein beträchtlicher Teil der Bebauung außerhalb der Befestigung, die mit Ausnahme der vier Türme und Tore nicht aus Mauerwerk bestand. In den 1350er Jahren wurde mit der Stadtvergrößerung begonnen. Noch während am Ausbau Ingolstadts gearbeitet wurde, kam es 1392 zur Teilung Bayerns in die Herzogtümer Bayern-München (unter Johann II.), Bayern-Landshut (unter Friedrich dem Weisen) und Bayern-Ingolstadt. Ingolstadt wurde dadurch Haupt- und Residenzstadt eines souveränen Herzogtums unter Stephan III. (Stephan dem Kneißel).

Vom 14. bis zum 18. Jahrhundert war die mittelalterliche Stadtumwehrung Ingolstadts ein gewaltiges Bauwerk aus Graben, Wall und Türmen. Im 15. Jahrhundert wurde die Stadterweiterung mit 87 Türmen abgeschlossen; dies brachte der Stadt den Beinamen „Die hunderttürmige Stadt“ (lat. ad centum turres) ein. Das zeigt, dass diese Mauer damals, wenn nicht ein Alleinstellungsmerkmal, so doch ein Markenzeichen der Stadt war. Ihre halbrunden Türme, die Angriffen besser widerstanden, machten die Stadtmauer zu einer der innovativsten in Bayern.

Neben der Universität war Ingolstadt bereits im 14. Jahrhundert zu einem bedeutenden Handelszentrum insbesondere für Salz geworden. Aber auch der Weinmarkt spielte eine wichtige Rolle, die jedoch im 15. Jahrhundert zugunsten des Bieres abnahm. Im Jahr 1537 wurde Ingolstadt zur bayerischen Landesfestung Ingolstadt ausgebaut, die es mit einer kurzen Unterbrechung 400 Jahre blieb. Dies brachte der Stadt den Namen die Schanz ein und noch heute nennen sich viele Ingolstädter Schanzer. Im frühen 19. Jahrhundert wurde Ingolstadt zur Festungsstadt ausgebaut. Der Bau der Königlich Bayerischen Hauptlandesfestung war das größte und teuerste Bauprojekt unter König Ludwig I. und beschäftigte bis 1848 gut 5.000 Bauarbeiter.

Im heutigen Beitrag auf dem Programm: die Harderbastei, Im Volksmund scheint sich die Benennung „Harderkasematte“ durchgesetzt zu haben, was nicht ganz überraschen kann, denn heute ist von der Bastion aus dem frühen 16. Jahrhundert im wesentlichen nur noch das ehemalige Kernwerk mit seinem großen Hohlraum erhalten. Gleich in der Nachbarschaft das Landgericht. Das Dienstgebäude Auf der Schanz 37 wurde ab 1962 zunächst für das Landratsamt Ingolstadt errichtet und nach Auflösung des Landkreises Ingolstadt 1972 vom Landratsamt Eichstätt als Zweigstelle genutzt. Dieser verkaufte 1982 das Gebäude an die Justiz. Nach Umbauten und Sanierungsmaßnahmen nahm das Landgericht zum 1. März 1988 dort den Betrieb auf.

Der Kavalier Hepp, der letzte der drei noch erhaltenen großen Kavaliere der Festung. Errichtet zwischen 1838 und 1843 erlebte auch dieses Werk am Ende des 19. Jahrhunderts den Umbau zur Kaserne. Heute befindet sich hier das Stadtmuseum und ein Spielzeugmuseum. Ganz in der Nähe das Neue Kreuztor. Ursprünglich schloss sich jeweils an den Seiten der Hauptwall der Festung an. Der Hauptwall wurde nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend abgerissen, so dass die beiden erhaltenen Tore jetzt frei stehen und die ursprüngliche Funktion nicht mehr leicht nachzuvollziehen ist.

Quellen: Wikipedia, Festung Ingolstadt.
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