Samiotisches Kaffee-Tagebuch: Spaziergang durch Pythagório

Davon, dass die Insel Samos mehrfach und zu verschiedenen Zeiten nahezu entvölkert wurde, merkt man in dem quicklebendigen Hafenort heute nicht mehr, zumindest in der Saison. Der Ortskern um den Hafen besteht aus acht Straße oder Gassen, die fast strahlenförmig vom Hafen die Hügel hinaufziehen, mit vier Querverbindungen. Das meiste Leben spielt sich aber am Hafen und entlang der Hauptstraße ab. Am Hafen sind auch die meisten Cafés, Bars und Tavernen.

Zu den fünf herausragenden Bauwerken zu Polykrates Zeiten gehörte neben dem Tunnel des Eupalinos, der Stadtmauer, dem Heraion und natürlich dem Palast des Tyrannen, der noch von Caligula bewundert worden sein soll (der Palast), gehörte auch der für damalige Verhältnisse riesige befestigte Hafen. Eine der beiden Hafenmolen ist heute, über 2.500 Jahre später, noch in Gebrauch. Der Hafen bot über einhundert Fünfzigruderern Platz, den damals modernsten Schiffen der griechischen Seefahrt, die allenthalben Samaina genannt wurden und deren Umrisse heute die Etiketten der gleichnamigen Weine zieren.

Den unglaublichen Reichtum verdankte das antike Samos dem Handel und der Seeräuberei. Auch in dieser Hinsicht tat sich Polykrates außerordentlich hervor. Doch sein Reich versank und mit ihm auch die Einwohnerzahlen. Einen Aufschwung gab es noch einmal als beliebter römischer Badeort – Cleopatra und Marcus Antonius bevorzugten diesen Ort für ihre gemeinsame Zeit – bis die aufkommende christliche Kirche derartige Umtriebe unterband.

Machen wir einen Sprung ins gestern bereits erwähnte Fürstentum Samos. Der von des Osmanen eingesetzte Prinz von Samos Miltiadis Aristarchis fand 1859 zu Beginn seiner siebenjährigen Regentschaft eine fast menschenleere Insel vor. Er begann die Insel wieder zu besiedeln und ließ auf den Ruinen des antiken Samos den Ort Tigani. Erst mit dem einsetzenden Fremdenverkehr gewann dieser Ort wieder an Bedeutung. Zu Ehren des Philosophen und Mathematikers Pythagoras wurde der Ort 1955 in Pythagório umbenannt.

Auffällig ist, dass sich die Struktur des Ortes in der Moderne kaum verändert hat. Ein Grund mag sein, dass sich praktisch unter jedem Stein etwas antikes befindet. Der Beschluss des griechischen Antikendienstes aus dem Jahr 1965 verpflichtet jeden Bauherren vor Baubeginn archäologische Grabungen durchzuführen, weshalb sich keiner traut an einen Neubau auf diesem antikenverseuchten Gelände auch nur zu denken. Dem Stadtbild tut es gut.

Dem Namensgeber Pythagoras hat man mehrere Denkmäler errichtet, eines der neuesten auf dem antiken Pier. In diesem größten Denker seiner Zeit nur den begnadeten Mathematiker zu sehen wird seiner Person nicht gerecht. Darüber hinaus hat er als Philosoph, Ingenieur und sogar Religionsstifter seine Epoche weit stärker geprägt. Dabei verstand er es wie kein Zweiter, sein auf weiten Reisen bis nach Ägypten und die arabische Welt eingesammeltes Wissen mit der hellenistischen Gedankenwelt zu verbinden.

Natürlich sonnt man sich heute in seinem Ruhm – und lebt vom Tourismus. Vor über 30 Jahren begann hier mein erster Griechenland-Urlaub. Die Erinnerungen sind doch inzwischen etwas spärlich. Wiedererkannt habe ich in Pythagório so gut wie gar nichts. Dafür aber anderes – ich komme noch dazu. Für heute schlendere ich lieber mit Euch durch die engen Gassen, in denen es von lohnenden Fotomotiven nur so wimmelt.

Ein besonderes Highlight ist hier die „Blue Street“, die blaue Gasse, in der sich die Einwohner künstlerisch ausgetobt haben. Vorherrschend ist hier natürlich die Farbe Blau, weshalb man sich fast auf auf einer Kykladeninsel wähnen könnte. Allerdings ist diese typisch griechische Farbkombination längst kein Alleinstellungsmerkmal einer bestimmten Region mehr. Die blaue Gasse ist jedenfalls nicht leicht zu finden. Ein Abstecher dorthin lohnt aber in jeden Fall.

Nicht weit von der „Blue Street“ parkt mein Roller. Gerade möchte ich schon aufsitzen, als mich der Kaffeedurst mahnt noch eine Pause zu machen. Und etwas Hunger verspüre ich auch. Doch davon mehr im nächsten Beitrag.

Quellen: Wikipedia, insel-samos.net, „Samos“, Dumont direkt.

2 Gedanken zu “Samiotisches Kaffee-Tagebuch: Spaziergang durch Pythagório

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