Kaffee-Kommissare: Georges Dupin

Für die Römer war es das Ende der Welt: Finis Terrae, das Ende der Welt und namensgebend für das heutige Département Finistère im Westen Frankreichs, in der Bretagne. Malerisch ist es hier. So malerisch, dass sich hier, inspiriert von einer ebenso traumhaften wie abwechslungsreichen Landschaft, in den 1880er Jahren hier die Crème de la Crème des französischen Impressionismus ansiedelte – und natürlich auch malte.

Hier ermittelt der aus Paris nach Concarneau strafversetzte Kommissar Georges Dupin, der sich nicht nur durch seine unkonventionellen Ermittlungsmethoden einen Namen gemacht hat, sondern auch durch seinen immensen Kaffeekonsum. Ohne Kaffee – morgens gerne mal garniert mit einem Croissant – geht nichts, genauer gesagt ohne die drei oder vier Kaffees. Genauer gesagt drei oder vier Tassen Café Crème. Nacheinander! Das regt die grauen Zellen an und hält ihn wach. Und hellwach muss er sein um einen kaltblütigen Mörder zu überführen.

Kaffee-Kommissare? Einige Berufe sind ohne Kaffee nicht denkbar, wie zum Bespiel Taxifahrer, Journalisten, Blogger und natürlich Kommissare. Wer will, der kann seinen eigenen Beruf gerne in diese Liste aufnehmen. Ein Grund für Coffeenewstom sich einige koffeinabhängige Vertreter ihrer Zunft hier mal genauer anzuschauen. Eines haben nämlich alle gemeinsam: sie erwecken Urlaubsgefühle, beziehungsweise Sehnsüchte bei den Lesern. Bei Kommissar Dupin bedeutet das natürlich die Bretagne…

Denn ausgerechnet im – wie schon erwähnt – sehr malerischen bretonischen Ort Pont-Aven, in dem Hotel, in dem einst die Impressionisten logierten und verkehrten, wurde der Hoteldirektor Pierre-Louis Pennec erstochen. Verdächtige gibt es viele, denn der Hotelier war durchaus nicht unvermögend. Erst ein zweiter Mord bringt Dupin langsam aber sicher auf die richtige Spur. Doch dass ausgerechnet der Maler und Impressionist Paul Gauguin indirekt mit dem Mord zu tun hat, ja ihn sogar ausgelöst haben könnte, dass hat sich auch der Kommissar nicht träumen lassen.

Hinter dem Pseudonym Jean-Luc Bannalec verbirgt sich der aus Bad Godesberg stammende Literaturwissenschaftler, Lektor, Verleger, Herausgeber, Autor, Publizist und Fotograf Jörg Bong. Heute arbeitet er als freier Autor und Publizist in Frankfurt am Main und – wie könnte es anders sein – in der Bretagne. Für seine Kommissar-Dupin-Reihe erhielt Bannalec mehrere Auszeichnungen, unter anderem als „Mäzen der Bretagne“. Außerdem wurde er 2018 Ehrenmitglied der Literarischen Akademie der Bretagne.

Unter den Kaffee-Kommissaren liegt Kommissar Dupin übrigens kaffeemäßig klar vorn. Keiner trinkt mehr und keiner ist stärker auf das Koffein angewiesen, als der ursprünglich aus Paris stammende Ermittler. Der von Folge zu Folge – wie sein Erfinder – mehr zum Bretonen wird. Neben bemerkenswerten Landschaftsbeschreibungen auch ein wundervoller und unerwartet tiefer Einblick in die bretonische Lebensart. Am Ende der Welt!

Jean-Luc Bannalec, Bretonische Verhältnisse, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch und bei Goldmann.

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