Korfiotisches Kaffee-Tagebuch II: Lefkimi Riverside

Nur wenige Kilometer von der Touristen-Hochburg Kavos entfernt, liegt die sehr ursprüngliche Kleinstadt Lefkimi. Mit knapp 3.000 Einwohnern ist das der zweitgrößte Ort der Insel. Durchquert wird Lefkimi von einem Fluss, der kurz hinter der Umgehungsstraße entspringt und es bis zum Meer zu einer beachtlichen Breite bringt. Im Süden liegt der gleichnamige Hafen, der zweitgrößte der Insel, mit Fährverbindungen zum Festland und zu den Nachbarinseln. Aber auch viele Fischerboote machen hier fest und versorgen den Ort mit frischem Fisch.

Der Tourismus scheint das kleine Städtchen ausgelassen zu haben. Trotzdem gibt es hier ein breites Angebot an kleinen Läden, Cafés und Tavernen. Ein Bus verbindet Lefkimi mehrfach täglich mit dem Hafen und der Inselhauptstadt Kerkyra. Trotzdem darf man nicht überrascht sein, wenn jemand auf einem Esel vorbeireitet, alte Männer in oder vor den Tavernen sitzen, oder ein Auto mitten auf der Straße für einen Plausch mit der Nachbarin anhält. Es geht eben sehr geruhsam hier zu . Man könnte sogar sagen, die Uhren gehen hier langsamer. Ich komme noch darauf zurück.

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Der Mittelpunkt Lefkimis ist zweifellos dort, wo die Brücke der Hauptstraße über den Fluss führt, obwohl dieser Punkt weit entfernt von der geografischen Ortsmitte liegt. Ob das verkehrstechnisch sinnvoll ist die Bushaltestelle ausgerechnet AUF der schmalen Brücke zu positionieren, darf diskutiert werden. Entlang des Flusses haben sich einige hübsche Cafés und Tavernen angesiedelt, die von der Atmosphäre profitieren. Die wird nur davon getrübt, dass auch hier im Zentrum des kleinen Ortes Gebäude in den verschiedensten Stadien des Verfalls zu finden sind. Tatsächlich verliert die Gemeinde etwa 100 Einwohner pro Jahr.

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Einen Platz in den Geschichtsbüchern sicherte sich Lefkimi im Zweiten Weltkrieg. Ein Lancaster-Bomber der Royal Air Force stürzte in der Nähe ab. Die Einheimischen retteten nicht nur die Mannschaft, sie versteckte sie auch vor den Deutschen, obwohl die Insel von ihnen besetzt war. Es gelang ihnen die Soldaten nach Kontokali im Norden von Kerkyra zu bringen. Dort wurden sie von einem britischen U-Boot übernommen und konnten so entkommen.

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Mein Besuch in Lefkimi war da bedeutend friedlicher. Obwohl ich im letzten Jahr schon einmal hier war, stand der Ort auf meiner To-Do-Liste. Nicht zuletzt deshalb, weil ich den Fluss mit den lauschigen Cafés schlicht übersehen hatte. Aber diese Lücke wollte ich diesmal schließen. Zielstrebig suchte ich mir einen Sonnenplatz am Wasser. Der war zu dieser Tageszeit eher auf der Brücke. Also setzte ich mich in den Bedien-Bereich des Cafés Riverside – ein kulinarischer Glücksgriff, wie sich herausstellen sollte.

Von meinem Platz aus konnte ich sehen, dass im Café zwei junge Damen zugegen waren, die ratschten, telefonierten und ab und zu auch Besteck einwickelten. Was sie nicht taten war bedienen. Ich sagte ja schon, die Uhren gehen hier langsamer. Woanders hätte mich das vielleicht aufgeregt. Aber 1. habe ich Urlaub und 2. bin ich ja in Lefkimi. Irgendwann werden die Mädels tatsächlich auf mich aufmerksam und ich komme zu meinem Cappuccino.

Am Nebentisch waren inzwischen einige Deutsche eingetroffen. Der Unterhaltung nach ein älteres Ehepaar und deren Schwiegertochter. Erst belustigte mich deren Angewohnheit alle Speisen und Getränke wechselseitig zu verkosten und darüber zu referieren. Dann aber lauschte ich ihren Ausführungen zu der hier abgebildeten Nachspeise, deren Name mir leider entfallen ist. Bestellen musste ich dann aber doch. Auf einem knusprigen Biskuitteig erst eine süße Bananencreme, darüber die fast ungesüßte Sahne. In der Gesamtanmutung ist das Ergebnis dann wieder sehr harmonisch und nicht zu süß! Ein gelungener Abschluss für diesen Besuch.

Nun muss ich aber los. Es geht inzwischen schon auf sechs Uhr zu und ich habe noch die ganze Rückfahrt vor mir – mit der anspruchsvollen Strecke zwischen Moraitika und Kerkyra. Im Nachhinein wäre ich mal lieber früher losgefahren…

Ein süßer Ausklang eines ereignisreichen Tages!

Wenn Du willst, dann genieße diesen Kaffee-Moment im Café auf der Brücke einfach zusammen mit mir! Und wenn Dir mein Blog gefällt, dann freue ich mich über ein Trinkgeld!

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