Man kann es drehen, wie man will, das Café Spitz profitiert von seiner Lage über den Ufern des Rheins. Allerdings auf der Seite „Kleinbasel“. Kleinbasel wird der rechtsrheinische Teil der Schweizer Stadt Basel genannt und gilt als als Arbeiter- und Einwandererviertel. Es hat einen weit höheren Ausländeranteil als das linksrheinische Grossbasel. Deshalb wird die bis heute gebräuchliche Bezeichnung „minderes Basel“ teilweise als abwertend empfunden, obwohl das Wort „minder“ ursprünglichen einfach „kleiner“ und keineswegs „minderwertig“ bedeutete. Das mindere Basel benennt einfach den kleineren Stadtteil.

Ob kleiner oder minder, Kleinbasel hat einfach die schönere Uferpromenade. So kommt es, dass nachmittags jede Menge Volkes zu den Sonnenplätzen am Rheinufer strebt. Da die wenigen Bänke bald besetzt sind, nimmt man schnell auf der steinernen Uferbefestigung Platz. Wer arm am Beutel ist, der bringt sich sein Essen selber mit, die betuchteren Leute gehen in eines der zahlreichen Cafés und Restaurants mit Terrasse. Kaum ein Ort der Stadt könnte belebter sein. Man hört alle Sprachen dieser Welt – nicht nur von Touristen! – und da es gerade der erste heißere Frühlingstag ist, haben die Mädchen ihre Sommerkleider aus dem Schrank genommen und führen sie heute aus. Die Jungs in kurzen Hosen und T-Shirts steuern tütenweise Getränke oder Stapel von Pizzakartons bei – natürlich mit Inhalt.

Einer der Plätze für die Betuchteren ist das Café Spitz, ursprünglich benannt nach einem Türmchen mit goldener Spitze, dass heute in der Form nicht mehr existiert. Das bereits 1838 bis 1840 errichtete Gebäude begann als „zum goldenen Spitz“. Andere Namen, wie „zur Harmonie“ oder „Café National“ hatten nicht lange Bestand. So wurde 1896 der im Volksmund stets erhaltene Beiname schließlich bis heute zum Hauptnamen.

In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts brannte das Café zweimal aus. Die Außenfassade blieb bestehen und der Innenbau wurde möglichst originalgetreu rekonstruiert. Das Café Spitz ist heute Teil eines Hotelkomplexes und beherbergt im Erdgeschoss ein Fisch-Restaurant. Es ist noch heute das Lokal der Ehrengesellschaften. Wer sich auf der großen Terrasse niederlässt, der kann wechselweise den Verkehr auf der „Mittleren Brücke“ beobachten, das Gewühle am Rheinufer oder den Rhein selbst – dieser Auswahl ist unvergleichlich!

Café Spitz, Rheingasse 2, Basel, Öffnungszeiten: täglich 07 – 21:30 Uhr.
Der Basel-Klassiker: Grand Café Hugenin.