Was verbirgt sich hinter dem Begriff Cappuccino-Index? Ist das der Kaffeekurs an der Börse? Eine Liste verbotener Inhaltsstoffe? Oder gar die Lohnentwicklung bei Baristas? Nichts davon! Der Cappuccino-Index ist eine Vergleichsmöglichkeit der Löhne eines Landes mit der damit verbundenen Kaufkraft. Ähnlich wie der Big-Mac-Index soll er helfen Währung, Kaufkraft und Löhne international vergleichbar zu machen. Trotzdem hat der Cappuccino-Index seinen Ursprung in Welt der Baristas.

Die Idee Big-Mac-Index stammt von der britischen Zeitschrift The Economist, deren Redakteurin Pam Woodall 1986 ihren Lesern Wechselkurse und Kaufkraftparitätenkurse zu veranschaulichen. Die Methode ist einfach: es werden die Big-Mac-Preise der jeweiligen Länder mit den Löhnen in Verbindung gesetzt, also wie lange ein Bürger dort für seinen Burger arbeiten muss. Der Big Mac eignet sich deshalb dafür, weil er standarisiert ist. Das heißt, überall auf der Welt wird das gleiche Produkt aus den gleichen Zutaten verkauft. Dafür sorgen schon die strengen Franchise-Auflagen des Konzerns. 2014 war nach diesem Index der Big-Mac in der Schweiz und in Norwegen am teuersten, währen man in Indien oder der Ukraine am wenigsten dafür bezahlen muss. Deutschland bewegt sich im Mittelfeld knapp unter dem europäischen Durchschnitt und belegt Platz 39 von 140 Ländern, in denen es den Einheitsburger, der heuer seinen 50. Geburtstag feiert, gibt.

Der World Barista Champion 2007 James Hoffmann ging beim Cappuccino-Index einen Schritt weiter: er verglich nicht nur Preise, Kaufkraft und Löhne allgemein. Er wollte wissen, wie lange ein Barista arbeiten muss, bis er sich einen Cappuccino leisten kann. Der Cappuccino eignet sich deshalb besonders gut, weil es ihn inzwischen überall auf der Welt gibt und auch die selben Zutaten verwendet werden. So fand Hoffmann heraus, dass ein Barista in Australien nur 10,2 Minuten für einen Cappuccino arbeiten muss, sein Kollege in Indonesien aber 146,0 Minuten. Witziger Weise findet sich Deutschland auf Platz 39 wieder – genau wie beim Big-Mac-Index.

Eine große Abweichung zum Burger-Index fand Hoffmann allerdings beim Vergleich mit den allgemeinen Lebenserhaltungskosten. Hier spielen Kaffeekultur und Tradition offenbar eine größere Rolle. Trotzdem erlauben beide Indices ein genaueren Blick auf die internationalen Lohnstrukturen. Und wer in Indonesien demnächst seinen Cappuccino trinkt, ist vielleicht etwas großzügiger mit dem Trinkgeld, wenn er weiß, dass der Barista über zwei Stunden schuften muss, um sich selbst mit einem Cappuccino stärken zu können.
Im europäischen Vergleich steht Deutschland übrigens auch nicht schlecht da. Im Land der Kaffee-Hygge Dänemark zahlt man regelmäßig über vier Euro pro Cappuccino, im Nachbarland Schweden sind es durchschnittlich nur noch 3,50 Euro, gefolgt von Finnland und Luxemburg – beide über der Drei-Euro-Marke. Im Mittelfeld zwischen zwei und drei Euro tummeln sich Österreich, Griechenland, Großbritannien und Irland. Belgien, Frankreich, Deutschland und die Niederlande teilen sich den Bereich um 2,50 Euro. Nach den drei Baltenstaaten geht der Cappuccino-Durchschnittspreis unter zwei Euro. Dass sich Italien deutlich im unteren Drittel der Euro-Liste befindet, liegt nicht an der Kaufkraft. Hier gibt es einfach eine andere Kaffeekultur.
Bildrechte: bluedesign/fotolia.com, Tiko/fotolia.com, McDonald’s Deutschland, Tali Russ/fotolia.com.