Wie kommt der Krebs in den Kaffee?

Eben war Kaffee noch unbedenklich, ja sogar gesundheitsfördernd, jetzt soll er sogar zu Krebs führen! Das dachte sich zumindest ein Richter im US-amerikanischen Kalifornien. Dort müssen die dort ansässigen Kaffeeketten, wie Starbucks oder McCafé, ihre Kunden zukünftig über die Krebsgefahr beim Kaffeekonsum warnen. Schuldig im Sinne der Anklage ist der Stoff Aclylamid, der beim Rösten von Kaffee entsteht und der verdächtigt wird krebserregend zu sein. Bisher bleibt die Wissenschaft den Beleg dafür schuldig.

Selbst die Weltkrebsforschungsagentur IARC bietet kein klares Bild. Zwar wird Kaffee insgesamt in der für Menschen ungefährlichen Kategorie 3 geführt, Acrylamid aber in der Kategorie 2a als wahrscheinlich krebserregend. Der Knackpunkt in der Einordnung von Kaffee liegt also nicht in der Pflanze oder Bohne selbst, es geht hier hauptsächlich um die Weiterverarbeitung. Denn hier entscheidet sich, ob und wie viel des wahrscheinlich gesundheitsschädlichen Stoffes entsteht.

Roestkaffeebohnen_Tisch_Kaffeeverband_Bente Stachowske - KLEIN

Grundsätzlich sollte man immer versuchen Acrylamid zu vermeiden. Das ist nicht immer leicht, denn bei allen stärkehaltigen Lebensmitteln, die wir frittieren, braten, grillen oder rösten entsteht Acrylamid – mal mehr, mal weniger. Vor Jahren kamen zum Beispiel Pommes frites und Kartoffelchips ins Gerede. Denn Acrylamide entstehen vor allem bei hohen Temperaturen, wie eben beim Frittiere. Bleibt man jedoch unterhalb von 180°C, dann entstehen gar keine bis wenige.

Beim Kaffee liegt die Krux in den industriellen Röstverfahren. Hier werden die Bohnen in kurzer Zeit bis zu 500° ausgesetzt. Bei dieser Schnellröstung entsteht – wie könnte es anders sein – Acrylamid. Für dessen zulässigen Anteil im fertigen Kaffee gibt es zwar EU-Grenzwerten, doch als die 2010 regelmäßig überschritten wurden, hat man einfach den Grenzwert nach oben „korrigiert“! Dieselgate lässt grüßen!

FallendeBohneninTrommelrster_Tchibo

Gut, dass gerade kleine Röstereien bei der klassischen Trommelröstung mit Temperaturen von 150° bis 220° arbeiten. Das ist nicht nur aromafreundlich, dieses „Slow-Roasting“ reduziert Acrylamid auf ein Minimum – sogar weit unterhalb der Grenzwerte von 2010! Noch gesünder wäre demnach nur der blond oder skandinavisch gerösteten Kaffee. Hier werden die Bohnen schon nach dem „first crack“ aus der Trommel genommen.

Es gibt also keinen Grund wegen einer möglichen Krebsgefahr auf Kaffee zu verzichten. Nur bei der Auswahl seines Kaffees sollte man sorgfältiger sein. Denn, wenn Kaffee einen Warnhinweis braucht, dann dürfte der auf der Kartoffel auch nicht fehlen. Schließlich könnte die auch zu Acrylamid-Pommes frittiert werden.

 

Bildrechte: pixelfreund/fotolia.com, Deutscher Kaffeeverband/Bente Stachowske, Tchibo.

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