Café-Welten: Fazit

Es ist Nacht. Der Kellner räumt Stühle und Tische rein, während die Kaffeemaschine leise blubbert. Von fern hört man Straßenlärm – die Stadt kommt wohl nie zur Ruhe. Nachdem die Kaffeemaschine sauber ist, wischt der Batista noch einmal mit einem weichen Tuch über den Chrom. Für morgen soll alles bereit sein.

Es gibt diese Cafés noch, auch wenn ihre Zahl abnimmt. Vereinzelt versuchen Newcomer ihren ganz persönlichen Traum vom Café zu verwirklichen. Meistens sind es doch Kaffeeketten oder Bachshops, die ihren Platz einnehmen.  Statt in einem gemütlichen Kaffee zu sitzen verbringen sonntags Familien ihre Zeit lieber beim Burger-Brater mit Kaffeebereich, Geschäftsleute und Reißend trinken ihren Kaffee lieber aus großen Pappbechern und da, wo es W-Lan gibt.

Cozy street with tables of cafe in quarter Montmartre in Paris, France

 

Backshops und Kaffeeketten haben natürlich ihre Berechtigung. Als Nahversorger, als Kaffee-Tankstelle, als Möglichkeit für einen Snack zwischendurch haben sie ihren festen Platz in unserem Alltag. In den letzten Tagen konnten wir beobachten, dass viele der Angebote ihre Stärken haben. Manchmal beleben sie einen Ort, doch sie können einen Platz auch seinen Charme nehmen, gerade dann, wenn dort ein individuelles Café vielleicht richtiger gewesen wäre.

Rückgängig machen lässt sich diese Entwicklung kaum. Moderne Café-Angebote sind auch Ausdruck einer schnelllebigen Zeit und der geänderten Konsumgewohnheiten der Menschen. Eine „Gesellschaft to go“ braucht vielleicht gar keine gemütlichen Rückzugsräume mehr. Der Genuss bleibt dabei auf der Strecke. Denn für Kaffee braucht man Zeit. Und wer sich die zehn Minuten, die man für eine entspannte Tasse Kaffee nun mal braucht, nicht nehmen kann oder will, der sollte vielleicht besser gar keinen Kaffee trinken.

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Die Filialen moderner Kaffee-Ketten erfüllen viele Bedürfnisse des Alltags. Sie liegen an gut frequentierten Plätzen und bieten eine gute Gelegenheit für eine schnelle Kaffeepause. Die Gemütlichkeit eines individuellen Café erreichen die meisten von ihnen allerdings nicht. Sie dafür zu verurteilen wäre falsch. Schließlich ist es der Kunde, der entscheidet, wo er seinen Kaffee trinkt. Doch wenn in den Innenstädten nur noch die stereotyp-identischen Filialen großer Kaffeeketten zu sehen sind, dann geht etwas Individualität und Seele verloren. Und Kaffee ohne Seele ist nicht als schwarzes, heißes Wasser…

 

Bildrechte: Deutscher Kaffeeverband/Bente Stachowske, ekaterina_belova/fotolia.com, Coffeenewstom.

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