Downgrade your Cappuccino

Toll, wenn sich Lebensmittelhersteller so um die Wünsche ihrer Kunden sorgen, dass sie gleich Rezepturen verändern. Folgt man einem Bericht der Verbraucherzentrale Hamburg, dann müsste der häufigste Kundenwunsch sein: „Ich wünsche mir weniger Qualität und billigere Zutaten bei gleichem Preis!“

Als Downgrading bezeichnet man es, wenn Hersteller die Rezepturen dahingehen verändern, dass teure Rohstoffe eingespart werden können. Verschleiert wird das oft mit dem Hinweis „verbesserte Rezeptur“ oder – etwas weniger gelogen „neue Rezeptur“. Kritisch wird es dann, wenn ohnehin billige Zutaten durch noch billigere Zutaten ersetzt wird. Besonders ärgerlich wird das, wenn „wertgebende Zutaten“ eingespart werden.  ,Beim Schokoaufstrich Nutella vom Hersteller Ferrero sank kürzlich der Kakaoanteil von 8,4% auf 7,4%, was der Konzern eine „Feinjustierung“ nannte.

Klar, dass das vor Kaffeegetränken nicht halt macht. Lösliche Kaffees mit hohem Milchanteil, vom Hersteller zum Beispiel vielversprechend als „Cappuccino“ und „Kaffeespezialität nach italienischer Art mit cremig-feinem Schaum“ bezeichnet, zeichnen sich häufig durch eine niedrigen Kaffeeanteil aus. Schaut man sich die Zutatenliste mal genauer an, so finden man oft pflanzliche Fette als Ergänzung zum Magermilchpulver.

Doch es gibt einige weitere, steuerliche Gründe, um an den Zutaten zu sparen. Auf löslichen Kaffee wird nämlich die höhere Kaffeesteuer von 4,78 Euro statt 2,19 Euro je Kilogramm für Röstkaffee erhoben. Außerdem gibt es einen unterschiedlichen Umsatzsteuersatz: Bei Kaffeebohnen oder –pulver sind es 7%, bei löslichem Kaffee  aber 19%. Außer – und dass ist der Trick der Wirtschaft – wenn man den Milchanteil auf über 75% Prozent des Trockenpulvers erhöht. Fiskalisch gesehen ist das dann nämlich kein Kaffee mehr. sondern ein Milchgetränk mit einem Steuersatz von 7%.

Die Frage sollte sich der aufmerksame Konsument aber längst stellen: weniger als ein Viertel Kaffee, Magermilchpulver, Pflanzenfette und Natriumphosphate, wer denkt da nicht sofort an „bella Italia“, und leckeren Cappuccino? Um den Vogel abzuschießen hat Krüger bei seinem „Family Cappuccino“ ebenfalls an der Zutatenschraube gedreht. Von bisher 15% wurde der Anteil von Bohnenkaffee auf 12% reduziert. Da ist es besser Instant-Kaffee, Milchpulver und Kakao nach eigenem Gusto zu mischen, wenn man auf ein ein cappuccino-ähnliches Instantgetränk nur ungern verzichten möchte. Im Glas aufbewahrt ist das Pulver mehrere Wochen haltbar. Und den Zuckergehalt kann man so auch selber festlegen, denn der beträgt beim Krüger-Produkt stolze 65%.

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